Spüre den geheimen Herzschlag Marrakeschs

Die rote Stadt am Rande des Atlasgebirges in Nordafrika erzählt unser eigenes Abenteuer aus 1001 Nacht. Gemeinsam mit Casablanca, Fez, Meknès und Rabat gehört Marrakesch zu den Königsstädten Marokkos. Mit prächtigen Gebäuden und verzaubernden Gärten ist sie definitiv eine Reise wert. Seit der Gründung vor über 900 Jahren war die Stadt zweimal Hauptstadt des Landes. Die Bewohner und die Touristen verteilen sich auf die Medina und auf la ville nouvelle.

Wir hatten leider nur einen Tag Zeit für diesen Zauber und konnten dennoch mehr Erinnerungen mitnehmen, als in unseren Koffer passen sollten.

Mit dem Bus von Agadir nach Marrakesch

Nach einem kleinen Spaziergang im Stadtpark El Menara tranken wir Tee über den Dächern der Stadt. Wir wollten uns stärken, bevor wir uns von dem Trubel der Medina davontragen lassen würden. Süßer, starker grüner Tee mit marokkanischer Minze. Dazu kosteten wir Datteln und genossen die Aussicht.

Vor unserem Ausflug nach Marrakesch versuchte ich, meine Erwartungen an diese Oasenstadt klein zuhalten. Ich wollte nicht enttäuscht werden. Was ich damals noch nicht wusste: Kein Bildband oder Actionfilm kann den wilden Zauber dieser Stadt je wirklich einfangen oder kleinreden.

Zurück auf der Straße war die Grenze zwischen Medina und moderner Weltstadt nur zwei Schritte breit. Wir tauchten ein in einen Ort, an dem die Zeit anders läuft, die roten Mauern das Licht der Sonne reflektieren und die Luft nach Sand und Zimt riecht.

Die Versammlung der Toten

Ich kann leider nicht mehr sagen, an welchen Gassen und Gebäuden wir vorbeikamen. Wir reihten uns ein in den Strom aus Touristen und Einheimischen, Händlern und Taschendieben, Gauklern und Zeitreisenden und trieben auf das Zentrum der Altstadt zu. „Die Versammlung der Toten“, das ist eine Übersetzung des Platzes Djemaa el Fna in Marrakesch. Er ist zu Recht ein klein wenig verrufen.

 

An den Rändern der Straßen und Gassen bieten Händler ihre Ware an. Datteln, Feigen und Orangen stapeln sich neben spitzen Türmen aus Safran und Kurkuma. Nüsse drohen aus übervollen Säcken zu purzeln.

Um die Mittagszeit ist der Djemaa el Fna auch schon sehr belebt. Die ersten mobilen Garküchen sichern sich einen guten Platz und die Gaukler und Schlangenbeschwörer wärmen sich auf, um mit sehr vielen unbedarften Touristen schnelles Geld zu machen.

Persönlich kann ich nur raten, genügend Abstand zwischen die Tierbändiger und dem eigenen Geldbeutel zu bringen. Denn so faszinierend die Kunststücke im Schein der Fackeln nachts auch aussehen mögen, es ist und bleibt Tierquälerei. Das sollte nicht unterstützt werden.

Marrakesch: das magische Tor zum Orient

Wir hatten ein anderes Ziel. Wir wollten tief hinein in das Labyrinth des wohl schönsten Souks auf dem afrikanischen Kontinent.

Am äußersten Rand des Marktes findet man Händler, die Gegenstände für den Alltag und Tand für leichtsinnige Touristen anbieten. Laute und bunte Spielereien, die in Massen und unter schlechten Bedingungen produziert wurden. Es lohnt sich, sich tiefer vorzutasten und sich nicht von den ersten Eindrücken abschrecken zu lassen.

Der Markt erscheint anfangs chaotisch, tatsächlich ist er thematisch angeordnet. Es gibt die Gerberstraße und die Weber-Ecke. Hoch über den Marktstraßen sind Leinen gespannt. Gefärbte Stoffe hängen dort, winken und leuchten den Weg.

Vasen, Krüge, Teller und Schüsseln in Ocker, Grün, Blau und Gelb stapeln sich auf freien Plätzen. Wir gehen weiter, tiefer hinein. Wir wollen weder Kleidung noch Geschirr. Wir suchen etwas, was wir nicht mitnehmen können. Der Lärm des Gauklerplatzes ist schon längst verklungen. Das Sonnenlicht stiehlt sich durch das Welldach und wird von tausend Messinglampen reflektiert. Die Zeit verlangsamt sich, unsere Aufregung steigt. Dann hören wir es!

Der Herzschlag Marrakesch’s riecht nach Metall

Rhythmisch hämmern die Goldschmiede und Handwerker tief im Inneren des Marktes auf ihre Materialien. Wir sehen die Schweißgeräte und riechen das warme Metall. Wir spüren raues Holz und schmecken weichen Ton. Die Handwerker geben den Rhythmus des Marktes vor, vielleicht sogar der ganzen Stadt. Dieser dunkle, warme Ort, das war für mich das Beste an unserem Ausflug nach Marrakesch.

Danach ruhten wir uns bei einer weiteren Tasse Tee aus. Wir genossen den wunderbaren Blick vom Balcon du Glacier und beobachteten im Zeitraffer, wie die Sonne unterging. Gleichzeitig wurden die Feuer und Fackeln auf dem Platz unter uns entfacht. Die Garküchen riefen zum Kampf und der Markt füllte sich, bis jeder Quadratzentimeter besetzt war.

Wenn ich an Marrakesch denke, dann blitzen Farben und Gerüche auf in meinem Kopf auf. Goldener Sonnenschein, ockerfarbene Hausmauern, zuckersüße Datteln und bunte Mosaikfliesen.

Das einzige, was ich in dieser Geschichte tatsächlich erfunden habe, ist der Sonnenschein. Aber was wäre ein Abenteuer im Orient ohne eine kleine Übertreibung?

Brüht euch einen leckeren grünen Tee mit marokkanischer Pfefferminze und lasst euch von dieser Playlist in die Gassen der Medina träumen: Oriental Deep House Playlist.

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