Der beste Hummer auf den Florida Keys

Sonnenuntergang, Hummer und ganz viel Pie!

Romantische Sonnenuntergänge auf den Florida Keys stehen nicht mehr auf meiner To-do-Liste.

Im Dezember 2016 flogen mein Mann und ich nach Miami, um ein paar Tage auf den Keys zu verbringen. Im Anschluss wollten wir Silvester in Miami feiern.

Wie die Silvesterparty am Strand war, was der nette Polizist damit zu tun hat und was wir in Miami erlebt haben, steht alles im nächsten Blogpost.

 

Unser Abenteuer begann mit der Autofahrt vom Flughafen Miami nach Sugarloaf Key, wo wir wohnen sollten. Vom Festland führt nur eine Straße zu den Inseln, der Overseas Highway.

Er ist der südlichste Abschnitt des Highway One und führt in Teilen über eine alte, umgebaute Eisenbahnstrecke. Der Overseas Highway ist der einzige Fluchtweg zu Land den Touristen und Einheimische bei Katastrophen oder im Notfall benutzen können. Der Name Highway kann etwas irreführend sein. Denn es gibt sehr viele Streckenabschnitte auf denen man nicht schneller als 45 mph fahren darf, oder aber es gibt jeweils nur eine Spur pro Fahrtrichtung.

Als einer der schönsten Strecken der Welt holt der Overseas Highway die Karibik in den Fahrspaß.

Nachts wird diese Strecke zu einer Fahrt ins Ungewisse, zu beiden Seiten breitet sich das undurchdringliche Meer aus und es gibt nur den grauen Asphalt und vereinzelte Straßenlaternen als Orientierungspunkte in der Nacht.

Für mich, völlig übermüdet, leicht unterzuckert und in dem schwebenden Übergang zwischen Traum und Realität, fühlte es sich so an, als wären wir unterwegs an einen Ort außerhalb von Raum und Zeit.

 

Einmal durch das Universum und zurück.

 

Die Inselgruppe Florida Keys besteht aus über 200 größeren und kleineren Koralleninseln,  aufgeteilt in die Inselgruppen Upper Keys, Middle Keys und Lower Keys.

Der Aufenthalt auf Sugarloaf Key sollte eigentlich die Zeit bis Silvester überbrücken, auf unserem Plan stand am Strand entlang spazieren, Hemingway in Key West suchen, Limonen-Kuchen essen und entspannen.

Die besten Abenteuer werden nie geplant.

 

Am ersten Tag wollten wir die Gegend bei Tag erkunden und vielleicht auch einen ersten Abstecher nach Key West machen. Wir kamen keine zwei Kilometer weit. Unbekümmert wie wir nun mal waren, hatten wir nicht die örtlichen Verkehrsmeldungen geprüft. Tja, daraus wurde prompt eine Lektion, die wir so schnell nicht mehr vergessen werden.

Denn zwischen uns und Key West hatte es einen Unfall gegeben. Auf einem einspurigen Streckenabschnitt. Innerhalb von Minuten kam der gesamte Verkehr zum Erliegen. Nicht alle waren zur Erholung unterwegs, mit uns warteten Berufspendler und Lieferwagen. Sheriffs fuhren mit Blaulicht an uns vorbei und uns wurde immer wärmer. Wir hatten inzwischen das Radio angeschaltet, aber die aktuellen Meldungen verpasst.

 

Im Gespräch mit anderen Autofahrern erfuhren wir, dass die Evakuation der Massenkarambolage wohl den ganzen Tag dauern würde und es das Beste wäre, wenn wir etwas anderes machen würden.

Wir hatten keinen Plan, nur einen leichten Jetlag. Also wendeten wir gemeinsam mit vielen anderen und fuhren auf dem Overseas Highway Richtung Festland. Wir kamen auch auf dieser Strecke nur sehr zäh voran. In allen Orten, an denen wir vorbeikamen, wurde der beste Key Lime Pie angeboten den wir je gegessen hätten.

Wir hielten irgendwann an einem Road Diner an.

Es war genauso wie man sich das vorstellt. In die Jahre gekommenes Plastikmobiliar, eine Inneneinrichtung aus den 80ern und eine Kellnerin, die in demselben Jahrzehnt die Gegend auf Rollerblades unsicher gemacht hatte.

Das war das Amerika der Jerry-Cotton-Hefte. Wir waren begeistert. Auch von dem Key Lime Pie. Das ist ein besonders leckerer Kuchen aus Grahamcrackern und einer Limonen-Eiermasse unter einer sündhaft leckeren Baiser-Haube. Manche Diners reichen auch Schlagsahne dazu, sehr empfehlenswert! Leider kann ich mich nicht mehr erinnern, auf welcher Insel es den besten Key Lime Pie gibt – das müsst ihr für euch selbst herausfinden.

Wir hielten dann nach einem besonders schönen Strand oder Hafen Ausschau, da mein Mann unbedingt den Sonnenuntergang am Meer genießen wollte.

Den perfekten Platz fanden wir auf einer Bank in der Caloosa Cove Marina. In dieser Bucht störte uns niemand. Es gab ein kleines Restaurant mit Strandbar, aber das war nur in Sicht- und nicht in Hörweite der Anlegestelle.

Hinter uns spannte sich ein goldener Südseestrand sanft um die Bucht und säumte eine Reihe sehr exklusiver Ferienhäuser.

Die einzige Gesellschaft waren Yachten oder Segelboote von Sportfischern. Und Pelikane. Wir haben noch nie so viele Pelikane gesehen wie auf den Keys.

 

Die Bank schaute wahrscheinlich ihr ganzes Leben in den Sonnenuntergang auf Islamorada, für uns war es das erste Mal.

Mein Mann holte seine Sonnenbrille und war fest entschlossen, das Naturschauspiel zu genießen. Ich war aufgekratzt vom Stau, der langen Zeit im Auto und den zehn Kilo Zucker im Key Lime Pie.

Trotzdem war auch ich beeindruckt von dem wunderbaren Licht, dass erst vorsichtig tastend die Ferienhäuser und dann den ganzen Himmel in ein zartes Apricot-Gold tauchte. Das ruhige Meer wurde erst zu einer türkisgrünen Spiegelfläche mit silbernen Wellenspitzen, verwandelte sich aber nach und nach in eine dunkle, rauchblaue Weite, ein Echo der letzten orange-goldenen Sonnenstrahlen.

Sonnenuntergang Islamorda

Kaum war die Sonne weg, hatte ich Hunger.

 

Wir machten uns auf den Rückweg, denn vor uns lag ein weiterer Höhepunkt des Tages, der mit einem Stau quer über die Inselkette begonnen hatte.

In Marathon gibt es einen riesigen Fischerhafen Hafen, die Key Fisheries. Dort bekommt man den Fisch des Tages, Muscheln und Steinkrabben und einen wunderbaren Sonnenuntergang. Der Geheimtipp unter allen Einheimischen und manchen Touristen ist aber das Diner in der Markthalle.

Wir bogen auf das Hafengelände ein und waren froh, mit unserem kleinen Mietwagen noch einen Platz neben den vielen Pick-up-Trucks, Limousinen und Lieferwagen zu finden. Es war fast so voll wie samstags auf dem Parkplatz vor Aldi.

Direkt als Erstes hört man Musik, typischerweise Classic Rock. Er kommt von der Strandbar, die an der kurzen Seite des Hafenbeckens steht.

Aber das wird schnell vom Stimmgewirr, dem Besteck-Geklapper und dem Gelächter aus dem Hauptgebäude übertönt.

 

Die Key Fisheries betreiben ein Diner mit überdachten oder freien Sitzbänken und Tischen, die so lang sind, dass man schlecht nur zu zweit an einem Tisch sitzen kann. Wenn man etwas zu Essen bestellen wollte, musste man einen Filmnamen oder eine Serie nennen. Sobald das Essen fertig war, rief jemand über einen Lautsprecher „Conch chowder for Kill Bill“ und alle freuten sich, obwohl sie noch zwanzig Minuten auf ihr eigenes Essen warten mussten.

 

Diese besondere Dezemberabend 2016 war lau, die meisten hatten Feierabend und Urlaub, es herrschte ausgelassene Ferienstimmung. Zwischen den Stützbalken in der Decke waren bunte Lampions gespannt und dass aus den Musikboxen lynyrd skynyrds „Sweet Home Alabama“ tönte, gab der ganzen Szenerien den letzten Anstrich. Wir fühlten uns wie direkt an das Set einer kitschige US-Serie versetzt. Also ich fühlte mich an Gilmore Girls erinnert, mein Mann natürlich nicht.

Das Beste war aber nicht die unerwartete, verzaubernde Szenerie, sondern das Essen.

Man bekommt dort das köstlichste Reuben Lobster Sandwich der Welt, wahlweise mit Krautsalat oder Pommes. Ein Reuben Lobster Sandwich ist ein sanft geröstetes Roggenbrot, leckeres Sauerkraut, Schweizer Käse und Hummerfleisch so zart, dass es im Mund zerfällt. Dazu gibt es ein 1000 Island Dressing und wenn das nicht zu den Florida Keys passt, dann weiß ich auch nicht.

 

Also beendeten mein Mann und ich diesen Tag auf einer langen Bank mit uns unbekannten Sitznachbarn und hatten mehr Essen auf dem Tisch als wir verdrücken konnten.  Der erste Biss in das warme Sandwich war eine Geschmacksexplosion, die mich selbst nach vier Jahren immer noch mühelos in diesen Moment zurückversetzt.

Und so ging unser erstes Abenteuer in diesem Urlaub zu Ende.

 

Im nächsten Blogpost erzähle ich dir von Silvester in Miami und was es mit einem süßen Esel auf sich hat (und dem Polizisten, versprochen!)

 

Deine Takeaways aus diesem Artikel!

  • Bester Sonnenuntergang: Islamorada
  • Bester Key Lime Pie: Marathon
  • Beste Unterkunft: Airbnb
  • Bester Hummer: Key Fisheries
  • Bester Soundtrack: Beach Boys
Schlagwörter:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.