Entdecke das Geheimnis von New Orleans

New Orleans

Das Gewitter ist vorbei. In der Luft liegt wieder der Geruch von gegrilltem Schweinefleisch und Blues. Ich atme tief ein und trete aus dem Hauseingang auf die belebte Straße im French Quarter. New Orleans! Wir haben es tatsächlich durchgezogen. Aufgeteilt auf zwei Tagesreisen haben wir die Strecke von Miami bis an die Mündung des Mississippi bewältigt. Das sind insgesamt 1393 Kilometer.

 

New Orleans ist bekannt für Mardi Gras, Glücksperlen in Bäumen, einem Hurricane mit dem ich mir einen Namen teile und das beste Essen aus allen Welten. Und für die Musik.

Wenn du jemals nach New Orleans gehst, dann mach dir vorher genau klar, was du dir von der Voodoo Prinzessin am Golf von Mexico wünscht. Denn die Stadt wird dir alles bieten und noch viel mehr.

New Orleans, French Quarter

Der einzige Preis, den du zahlen musst, ist, dass du ein Teil deines Herzens an der südlichen Flussmündung vergräbst. Bei Sonnenaufgang. Natürlich nicht. Du lässt dein Herz einfach da und unterschreibst, bestätigst mit Blut, dass New Orleans die schönste Stadt der Welt ist. Wahrscheinlich sogar des Universums.

Voodoo ist eine anerkannte und respektierte Religion in New Orleans. Besuche  am besten das Voodoomuseum im French Quarter um mehr über diese Religion zu erfahren, die vielen Sklaven in einem wirklich dunklen Kapitel der Menschheitsgeschichte Halt gegeben hat. Dort erfährst du auch, womit Louis Armstrong Geld verdient hat, bevor er einer der besten Trompeter der Welt wurde.

Ahhh! Die Musik in New Orleans. Sie blättert vom Putz der eleganten Gebäude und der Wind pfeift alte Melodien durch die Straßenkreuzungen. Es ist nicht nur Jazz und Blues. Es ist so viel mehr. Du stolperst über Tonabfolgen, Inspiration, verrückte Beats und wirst Zeuge von aufregend anregenden Spontanparties.

Ich kann dir wenig über die Bourbon Street erzählen. Wir sind nur kurz drüber und fühlten uns  zu sehr an den Ballerman erinnert. Wenn du das echte New Orleans suchst, (oder das New Orleans, von dem Touristen noch in 100 Jahren schwärmen werden) dann geh in die Frenchmen Street. Dort findest du angesagte heiße Bars und Clubs und kannst dir die Nacht mit Live Jazz-Konzerten um die Ohren hauen.

Wir waren unter der Woche dort und hatten schon Angst, dass nichts los sein würde. Denn Silvester war vorbei und Mardi Gras hatte seine Kostüme noch nicht hervor geholt. Wir hatten keine Ahnung, dass es in dieser Stadt immer eine Party oder ein Konzert gibt.

Unsere Gastgeber gaben uns den Hinweis, die paar Meter mit dem Auto zurückzulegen und nur im Lichtkegel einer Straßenlaterne zu parken. Denn die Gegend wäre nachts etwas gefährlich. In New Orleans stellst du keine Fragen, wenn Einheimische dir diesen Rat geben. Vor allem, wenn du offensichtlich als Tourist unterwegs bist. Dann kann dir auch nichts passieren und die Stadt ist sicher wie dein eigenes Stadtviertel in Baden-Württemberg.

Wir kamen in einer kleinen Bar „The Spotted Cat“ an und konnten die großartige Shotgun Jazz Band live erleben. Die Nacht war lau, die Drinks lecker und die Musik erzählte Geschichten, die an einem haften blieben wie der Duft von Beignets. Wir haben keinen Eintritt gezahlt, aber mit einer CD diese wunderbar talentierte Band unterstützt. Gegen Mitternacht wollten wir uns auf den Heimweg machen. Wir hatten noch einen Ausflug für den nächsten Tag geplant und wollten früh aufstehen.

Aber New Orleans wollte mir noch einen Wunsch erfüllen.

Denn ich war etwas enttäuscht, dass ich den Mardi Gras nicht erleben konnte. Ich hatte mir schon so oft diese wunderbaren Umzüge ausgemalt, pure Ekstase und Brassmusik in den Straßen. Und wahrscheinlich auch die ein oder andere Alkoholvergiftung. An der Ecke zu der Straße, in der unser Mietauto artig auf uns wartete, hatte sich eine kleine Brassband aufgebaut. Konkret übersetzt ist eine Brassband eine Blasmusikkapelle. Aber eine deutsche Blasmusikkapelle ist genau das Gegenteil von dem, was diese Künstler tatsächlich abliefern. Es ist Jazz und Blues und Gesang und Klatschen und Hüpfen und Rufen und Schreien und Ekstase in Reinform.

Anfangs versammelten sich ein paar Schaulustige, während die Musiker ihr erstes Stück anstimmten. „Nur kurz!“ sagte ich zu meinem Mann, bevor ich mich an die Ecke stellte. Er wusste, wie sehr ich mir eine Brassband gewünscht hatte. Am Anfang wippten alle noch entspannt im Takt. Dann kamen die Brass-Klassiker.

Ich weiß nicht, ob es das Lied „Do whatcha wanna“ war, auf jeden Fall eskalierte die Situation plötzlich komplett.

Alle tanzten auf der Straße. Die Autos kamen nicht mehr durch. Wir bewegten uns wie eine kleine Prozession vorwärts. Aber nicht geordnet. Nein! Einheimische und Touristen sprangen kreuz und quer, schüttelten Arme und Beine und hielten mit den Trompetern und Posaunen-Bläsern den Takt.

New Orleans

Mein Mann und ich waren ganz vorn dabei. Es war der pure Wahnsinn aus Musik und Lebensfreude. Für eine kurze Ewigkeit konnten wir das wahre New Orleans spüren.

Und dort liegt mein Herz. Es wartet an der Frenchmen Street auf die nächste Brassband.

Ich wollte nicht gehen. Ich wollte mir die Seele aus dem Leib und ein Loch in meine Schuhe tanzen. Mein Mann war etwas nüchterner und hielt mich von ab. Wir fuhren in unsere Unterkunft und freuten uns auf den nächsten Teil unseres Abenteuers in New Orleans.

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