40 Stunden Miami mit Coolio und dem Miami Police Department

Florida, Miami, USA, Reiseerinnerun

Silvester in einer Stadt wie Miami zu feiern ist bunt, ziemlich laut und ein großartiges Ereignis.

Die Sause findet unter freiem Himmel statt und ist komplett kostenlos. Tagsüber beginnen Feierlichkeiten mit einer familienfreundlichen Fress- und Unterhaltungsmeile, nachts wird der Club auf die Straße geholt. Abends treten unterschiedliche Stars auf und geben der jubelnden Menge die beste Zeit ihres Lebens. Bis 2017 wurde das Fest von Mr. 305 persönlich gehostet, produziert und finanziert vom TV Sender Fox. Folgende Künstler*innen konnten wir an diesem Silvesterabend bewundern:

  • Queen Latifah
  • Snoop Dogg
  • Pitbull
  • Biz Markie
  • Coolio
  • Naughty By Nature
  • Rob Base
  • Salt-N-Pepa
  • Tone Loc
  • Young MC

(Es gibt ein sehr lautes Video, auf dem ich erfolglos versuche, mich als Coolios Background-Sängerin selbstständig zu machen.)

Hobie Beach, Blick auf Miami

Hobie Beach, Blick auf Miami

Miami ist, ähnlich wie New York, eine Stadt, die seit ihrer Gründung an ihrem Mythos strickt.

Das fängt mit dem Ocean Drive am Miami South Beach an. Hier tummeln sich die meisten Art-Deco-Gebäude in einer Stadt, die diesen Baustil atmet. Neonreklame fordern und überreizen die Augen der 14 Mio Touristen, die jährlich in die Stadt strömen. Miami Vice lebt und ist unsterblich.

„Miami Beach is where Neon goes to die.“ Lenny Bruce

Alles, was man für eine gute Zeit in Miami braucht, ist eine verrückte Idee und ein glückliches Händchen beim Flugticket. Um das Budget nicht gleich am Anfang unserer Reise auszureizen, hatten wir uns in einem kleinen Airbnb in der Nähe der berühmten Calle Ocho einquartiert. Offiziell heißt die berühmte Straße in Little Havana Southwest 8th Street. Wir hatten uns für diesen Teil von Miami entschieden, um das authentische Miami und ein Hauch von Kuba zu erleben. Wieder einmal hatten wir keine Ahnung, dass wir mit unserer Unbekümmertheit unser Schicksal herausfordern.

Wir kamen irgendwann nachmittags in der Southwest 14th Street an, einer Querstraße zum Cuban Memorial Park (wenn ihr euch auskennt!)

Wir wollten mit dem Auto an den Bayfront Park und dort in der Nähe parken. Mein Mann informierte sich über möglichst günstige Parkmöglichkeiten und ich drängte sehr schnell zum Aufbruch.

Nach einer abenteuerlichen Querung der Interstate-95 hatte uns das GPS dank den turmhohen Stahlbauten in Miami verloren.

Nun folgt eine typische Situation für Roadtrips. Der Fahrer versucht, den Überblick über eine vollkommen verwirrende Verkehrssituation zu behalten und die Beifahrerin beschwört die GPS-Götter, flucht und ist kurz davor, das Auto zu verlassen, um sich durchzufragen.

In dieser Situation bogen auf einmal alle Autos vor uns rechts ab und schienen in eine Tiefgarage zu fahren.

Das machte Sinn. Wir hängten uns an unsere Vorgänger und fuhren hinterher, ohne nach links oder rechts zu schauen oder auf irgendetwas zu achten. So landeten wir auf dem Vorplatz eines eleganten Hotels. Unser kleiner Mietwagen war plötzlich umzingelt von einschüchternden Limousinen und wir konnten weder vor noch zurück.

Wir machten dann Bekanntschaft mit dem Miami Police Department. Ein Beamter wollte von uns wissen, ob wir richtig seien. Wir gaben zu, dass wir uns verirrt hätten und auf dem Weg zum öffentlichen Volksfest waren. Ein Hoch auf diesen netten Mann, der beim Anblick der konfusen Touristen nicht in schallendes Gelächter ausbrach. Er erklärte uns sehr freundlich, dass wir auf einer VIP-Veranstaltung gelandet waren, und wies uns den richtigen Weg. Wir parkten dann in einem „günstigen“ (25 $ für den Abend) Parkhaus und fanden die Partymeile.

An kleinen Ständen wurden süße und salzige Snacks angeboten. Es gab Mojito und Caipirinha und unsere Haare rochen am nächsten Tag nach Gegrilltem und frischen Limetten.

Da hauptsächlich Miamians dieses Fest besuchen, waren die Preise sehr moderat. Die Party begann und der Rest dieser Neujahrsnacht darf in Frieden an der Bayfront ruhen.

 

Es ist vielleicht schon aufgefallen, dass mein Mann und ich nicht immer alles bis in das kleinste Detail durchplanen.

Als wir die Unterkunft in Miami gebucht hatten, hatten wir geprüft, dass es genügend Restaurants und Diners in der Nähe geben würde, um ausgiebig zu frühstücken und abends leckere lokale Gerichte auszuprobieren. Wir hatten nicht bedacht, dass der nächste Tag auf der ganzen Welt der 1. Januar war und damit ein Feiertag.

Die Inhaber und Servicekräfte der Diner und Cafés hatten am Abend davor auch Silvester gefeiert und schliefen noch, als wir Hunger bekamen.

Aber wir waren in Miami, irgendwas würden wir ja wohl schon zu essen finden. Also zogen wir los und marschierten Richtung Calle Ocho. Wir liefen durch den Cuban Memorial Park, sahen das Pig Bay Memorial und waren Mitten im Herzen von Little Havanna. In den Parks spielen alte Männer mit Hut Domino und Schach und die Graffitis erzählen von gestrandeten amerikanischen Träumen, von Tragödien und Triumphen und von der unsterblichen Liebe zum Heimatland und zur Musik.

Zwischen diesen Kunstwerken fanden wir dann auch einen größeren Supermarkt. Dort gab es ein kleines Diner (ähnlich der deutschen „Heiße Theke“ mit kubanischem Flair), das Frühstück anbot. Dort sprach niemand Englisch. Wirklich niemand.

Wer hatte das authentische Miami bestellt, ohne zu überlegen, ob wir uns dort auch verständigen könnten?

Tja, wir hatten Hunger und konnten Schulspanisch. Also kratzten wir unsere Kenntnisse zusammen und bestellten aus der Karte. Ziemlich stolz und überzeugt, das Richtige zu sagen, tönte ich:

„Panqueques con burro dulce!“

Ich bekam Pfannkuchen, ohne Butter. Der süße Esel wurde still und heimlich unter den Teppich gekehrt. Wahrscheinlich konnten sie so schnell am 1. Januar keinen süßen Esel auftreiben. Oder sie wollten diese Geschmacksverirrung nicht unterstützen. Im Anschluss an das sehr leckere Frühstück stromerten wird durch Little Havanna, machten Pläne für das Abendessen und gingen dann nach Wynwood.

Wynwood ist ein hippes Stadtviertel das Künstler und Touristen gleichermaßen anzieht.

Wenn wir am 31. Dezember noch die größte Silvestersause unter freiem Himmel gelebt haben, so befanden wir uns jetzt in einer sehr beeindruckenden Freiluft-Kunstausstellung. Die Wynwood-Walls sind alte, ehemalige Fabrikgebäude die nun die Geschichten der Künstler und der Stadt erzählen. Miami ist jährlich die US-Außenstelle der Art Basel, das ist hauptsächlich der Streetart in Wynwood zu verdanken. Das besonders an dieser Ausstellung ist, dass die Wände im Schnitt alle sechs Monate neu bemalt werden.

Keine Kunst ist für die Ewigkeit.

Man kann mindestens zweimal im Jahr vorbei schauen, und neue Graffiti entdecken. Macht euch am besten selbst ein Bild, ich hab ein paar der schönsten Fotos in dieser Galerie zusammengestellt.

 

Nachmittags entspannten wir zwischen Einheimischen und Windsurfern am Hobie Beach und freuten uns auf das neue Jahr. Denn es war immer noch der 1. Januar 2017 und ich hatte Coolio live gesehen. Was uns wohl morgen auf der unserem Road Trip begegnen würde? Alligatoren?

Hobie Beach, Miami

Hobie Beach, Miami

 

Deine Takeaways aus diesem Artikel!

  • Little Havana
  • Domino Park
  • Cuban Memorial Boulevards
  • Calle Ocho
  • Bayfront Park
  • Wynwood
  • Hobie Beach
  • Versailles (kubanisches Restaurant, dass sich wirklich lohnt!)
  • Den Supermarkt „El Nuevo Siglo“ auf der Southwest 8th Street in Miami

Für das richtige Miami-Feeling bekommst du hier noch etwas aus die Ohren: https://open.spotify.com/playlist/3RlL2d6pFsZJqg0RrsggZX?si=a0b6de45c68f41e6

 

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